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Welche Abzüge mindern das zu versteuernde Einkommen?

Das zu versteuernde Einkommen ist die Summe der Einkünfte bzw. der Gesamtbetrag der Einkünfte minus bestimmte Abzüge und minus Freibeträge für Kinder. Aus diesem zu versteuernden Einkommen ergibt sich die Höhe der tariflichen Steuerschuld nach Anwendung des Einkommensteuertarifs.

ZU DEN ABZUGSMÖGLICHKEITEN ZÄHLEN ZUM BEISPIEL:

  • der Verlustabzug,
  • die Sonderausgaben,
  • die Abzugsbeträge für selbst genutztes Wohneigentum,
  • außergewöhnliche Belastungen.

Was heißt Verlustabzug?

Bevor Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und sonstige Abzugsbeträge berücksichtigt werden, sind negative Einkünfte (Verluste) anzusetzen, die bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte nicht ausgeglichen werden (§ 10d EStG) und deren Ausgleich oder Abzug nicht nach anderen Vorschriften ausgeschlossen ist. Sie können wahlweise zunächst in das dem Verlustentstehungsjahr vorausgegangene Jahr bis zu 1 Mio. Euro (bei Zusammenveranlagung bis zu 2 Mio.) zurückgetragen werden. Soweit sie in dem Vorjahr nicht abgezogen worden sind, sind sie zeitlich unbeschränkt auf die Folgejahre vorzutragen.

Dieser Verlustvortrag kann im Vortragsjahr bis zu einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 1 Mio. Euro (bei Zusammenveranlagung bis zu 2 Mio. Euro) unbeschränkt und darüber hinaus zu 60 % des diesen Betrag übersteigenden Gesamtbetrags der Einkünfte abgezogen werden. Der Abzug erfolgt vor den Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und sonstigen Abzugsbeträgen.

Welche Sonderausgaben gibt es?

Sonderausgaben sind im Gesetz abschließend aufgezählt. Sie sind häufig nur bis zu bestimmten Höchstbeträgen abziehbar.

ZU DEN BEKANNTESTEN SONDERAUSGABEN ZÄHLEN DIE VORSORGEAUFWENDUNGEN. HIERZU GEHÖREN BEITRÄGE ZU

  • den gesetzlichen Rentenversicherungen, landwirtschaftlichen Alterskassen und berufsständischen Versorgungseinrichtungen,
  • privaten kapitalgedeckten Rentenversicherungen (Basis- oder »Rürup«-Rente),
  • Kranken-, Pflege-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen,
  • der Arbeitslosenversicherung,
  • Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherungen,
  • Risikoversicherungen, die nur für den Todesfall eine Leistung vorsehen,
  • bestimmten Lebensversicherungen mit einem Laufzeitbeginn vor dem 1. Januar 2005.

Was ist eine Vorsorgepauschale?

Wie zuvor erläutert, wird bei Arbeitnehmern die Einkommensteuer als Lohnsteuer direkt vom Lohn / Gehalt abgeführt. Um hier nicht vorab zu viel Steuern einzubehalten, die der Arbeitnehmer nur im Wege der Einkommensteuererklärung zurückerhielte, wird bereits ein Teil der möglichen Vorsorgeaufwendungen als Vorsorgepauschale bei der Lohnsteuerberechnung abgezogen.

Können Vorsorgeaufwendungen als Freibeträge für das Lohnsteuer-Abzugsverfahren berücksichtigt werden?

Vorsorgeaufwendungen können wegen der bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigten Vorsorgepauschale nicht als Freibetrag berücksichtigt werden. Beträge, welche die Vorsorgepauschale übersteigen und noch im Rahmen der bestehenden Abzugsmöglichkeiten liegen, ermäßigen erst bei der Veranlagung zur Einkommensteuer die Steuerschuld. Für sonstige Sonderausgaben kann, soweit sie den Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro (bei Ehegatten/Lebenspartnern 72 Euro) übersteigen, ein Freibetrag ermittelt werden.

Ein vom Arbeitslohn abzuziehender Freibetrag wird vom Finanzamt jedoch nur ermittelt, wenn die Antragsgrenze von 600 Euro überschritten wird. Ausgenommen von dieser Einschränkung sind die Pauschbeträge für behinderte Menschen und Hinterbliebene. Der Antrag ist auf amtlichen Vordrucken zu stellen, die beim zuständigen Wohnsitzfinanzamt erhältlich sind.

WAS ZÄHLT ZU DEN SONSTIGEN SONDERAUSGABEN?

  • Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten bis zu 13.805 Euro jährlich, wenn der Geber dies mit Zustimmung des Empfängers beantragt. Die Zustimmung ist grundsätzlich bis auf Widerruf wirksam. Ein Widerruf wirkt nur für künftige Kalenderjahre. Der Empfänger muss die Unterhaltsleistungen als Einkünfte versteuern.
  • auf besonderen Verpflichtungsgründen beruhende, lebenslange und wiederkehrende Versorgungsleistungen (früher: Renten und dauernde Lasten),
  • gezahlte Kirchensteuer (abzüglich erstatteter Kirchensteuer), soweit die Kirchensteuer nicht als Zuschlag zur Kapitalertragsteuer erhoben wurde,
  • Kinderbetreuungskosten für Kinder unter 14 Jahren oder behinderte Kinder, die aufgrund einer vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetretenen Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten bis zur Höhe von zwei Dritteln der Aufwendungen (außer des Entgelts für Unterricht, für die Vermittlung besonderer Fähigkeiten oder für sportliche und andere Freizeitgestaltungen), höchstens 4.000 Euro je Kind im Kalenderjahr,
  • Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung bis zu 6.000 Euro im Kalenderjahr,
  • 30 % des Entgelts, höchstens 5.000 Euro, für den Besuch bestimmter Schulen (außer des Entgelts für Beherbergung, Betreuung und Verpflegung) durch ein Kind, für das dem oder der Steuerpflichtigen Freibeträge für Kinder oder Kindergeld zustehen,
  • Spenden und bestimmte Mitgliedsbeiträge zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke (§§ 52 bis 54 AO) an steuerbegünstigte Körperschaften oder juristische Personen des öffentlichen Rechts und
  • Spenden und Mitgliedsbeiträge an politische Parteien bis zur Höhe von 1.650 Euro (bei Zusammenveranlagung 3.300 Euro), soweit dafür nicht bereits eine Steuerermäßigung nach § 34g EStG gewährt wurde.

Was hat sich durch das Alterseinkünftegesetz geändert?

Seit dem 1. Januar 2005 wird im Bereich der Sonderausgaben unterschieden zwischen Altersvorsorgeaufwendungen und sonstigen Vorsorgeaufwendungen jeweils mit unterschiedlichen Abzugsmöglichkeiten. Dabei wurden erweiterte Abzugsmöglichkeiten geschaffen für Aufwendungen, die für die Altersvorsorge bestimmt sind. Dazu gehören neben den Beiträgen zu den gesetzlichen Alterssicherungssystemen auch Beiträge zu privaten Leibrentenversicherungen, wenn diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen (Basis-/“Rürup“-Rentenvertrag).

MEHR INFORMATIONEN

Ausführliche Informationen zu den Regelungen enthält die Broschüre des Bundesfinanzministeriums »Besteuerung von Alterseinkünften«.

Wie werden Beiträge zur zusätzlichen privaten Altersvorsorge berücksichtigt (§ 10a EStG)?

Der maximale Sonderausgabenabzugsbetrag nach § 10a EStG ist unabhängig von der tatsächlichen Höhe des individuellen Einkommens. Bei dem Abzugsbetrag handelt es sich nicht um einen Freibetrag, sondern um einen Höchstbetrag, bis zu dem Altersvorsorgebeiträge (Spar- oder Tilgungsbeiträge nach § 82 EStG) zugunsten eines Riester-Vertrags berücksichtigt werden können. Innerhalb der Höchstgrenzen des § 10a Abs. 1 EStG gehören zu den begünstigten Altersvorsorgeaufwendungen die von der oder dem Steuerpflichtigen selbst geleisteten Altersvorsorgebeiträge sowie der ihr oder ihm zustehende Zulageanspruch. Wird ein zusätzlicher Abzugsbetrag nach §10a EStG beantragt, prüft das Finanzamt, ob der Sonderausgabenabzug nach §10a Abs. 1 EStG oder der Anspruch auf Zulage für den Steuerpflichtigen günstiger ist (§10a Abs. 2 Satz 3 EStG). Hierfür muss die oder der Steuerpflichtige ihrer oder seiner Einkommensteuererklärung die Anlage AV beifügen.

Den Sonderausgabenabzug nach § 10a EStG erhalten nur bestimmte Personengruppen. Zum unmittelbar begünstigten Personenkreis gehören insbesondere

  • Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung,
  • Pflichtversicherte in der Alterssicherung der Landwirte,
  • Beamte und diesen gleichgestellte Personen,
  • Bezieher einer Rente wegen voller Erwerbsminderung oder Erwerbsunfähigkeit aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Alterssicherung der Landwirte sowie
  • Empfänger einer Versorgung wegen Dienstunfähigkeit.

Was ist eine Altersvorsorgezulage bei der privaten Altersvorsorge (§§ 79-99 EStG)?

Die Altersvorsorgezulage setzt sich aus einer Grundzulage in Höhe von 154 Euro und einer Kinderzulage zusammen. Für vor dem 1. Januar 2008 geborene Kinder beträgt die Kinderzulage 185 Euro, für später geborene Kinder sogar 300 Euro. Einen weiteren Bonus gibt es für junge Riester-Förderberechtigte, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Sie erhalten einmalig eine um 200 Euro erhöhte Grundzulage. Voraussetzung für die volle Gewährung der Altersvorsorgezulage ist, dass sich auch die oder der Zulageberechtigte an dem Aufbau eines Altersvorsorgevermögens beteiligt. Aus diesem Grund ist die Gewährung der vollen Zulage von einem bestimmten Mindesteigenbeitrag abhängig. Die auf den Altersvorsorge-vertrag eingehende Sparleistung soll insgesamt 4 % der beitragspflichtigen Einnahmen bzw. der bezogenen Besoldung oder Amtsbezüge, die der oder die Zulageberechtigte im Vorjahr (bei Land- und Forstwirten im Vorvorjahr) erhalten hat, maximal 2.100 Euro betragen. Sie setzt sich aus den geleisteten Eigenbeiträgen, die mindestens 60 Euro betragen sollen, und den staatlichen Zulagen zusammen, d.h. die oder der Zulageberechtigte braucht die erforderliche Sparleistung nicht alleine aufzubringen. Wird dieser Mindesteigenbeitrag nicht oder nur teilweise erbracht, wird die Zulage nach dem Verhältnis der Altersvorsorgebeiträge zum Mindesteigenbeitrag entsprechend gekürzt. Erbringt der Zulageberechtigte beispielsweise nur 50 % des für ihn maßgebenden Mindesteigenbeitrags, erhält er auch nur 50 % der staatlichen Altersvorsorgezulage.

Erfüllt nur ein Ehegatte die persönlichen Voraussetzungen für eine unmittelbare Begünstigung nach § 10a Abs. 1 EStG, dann erhält der andere Ehegatte eine abgeleitete Zulageberechtigung. Voraussetzung ist, dass

  • die Ehegatten nicht dauernd getrennt leben,
  • beide Ehegatten ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem Staat haben, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum anwendbar ist,
  • ein auf den Namen des anderen Ehegatten lautender Altersvorsorgevertrag besteht,
  • der andere Ehegatte zugunsten seines Altersvorsorgevertrags im jeweiligen Beitragsjahr mindestens 60 Euro geleistet hat und
  • die Auszahlungsphase dieses Altersvorsorgevertrags noch nicht begonnen hat.

Eine ungekürzte Zulage erhält der mittelbar begünstigte Ehegatte allerdings nur, wenn der unmittelbar begünstigte Ehegatte den von ihm geforderten Mindesteigenbeitrag auf seinen Altersvorsorgevertrag, eine förderbare Versorgung bei einer Pensionskasse, einem Pensionsfonds oder über eine förderbare Direktversicherung geleistet und eine Förderung dafür erhalten hat. Bei der Mindesteigenbeitragsberechnung werden im Falle einer abgeleiteten Zulageberechtigung die beiden Ehegatten zustehenden Zulagen berücksichtigt.

Die Kinderzulage wird – genauso wie das Kindergeld – insgesamt nur einmal je Kind gewährt. Sie wird grundsätzlich der- oder demjenigen Zulageberechtigten zugeordnet, der auch das Kindergeld ausgezahlt bekommt. Mit dieser Regelung wird erreicht, dass die Kinderzulage in der Regel dem Elternteil zugute kommt, der die Erziehungsleistungen erbringt. Dieser Elternteil bekommt aufgrund des Obhutsprinzips in der Regel auch das Kindergeld ausgezahlt. Leben die Eltern nicht dauernd getrennt, dann wird die Kinderzulage – abweichend von der tatsächlichen Kindergeldauszahlung – grundsätzlich der Mutter gewährt, es sei denn, die Eltern beantragen, dass diese dem Vater zugerechnet werden soll.

Die Altersvorsorgezulage wird auf Antrag ausgezahlt. Die oder der Zulageberechtigte hat den Antrag beim Anbieter ihres oder seines Altersvorsorgevertrages einzureichen. Dieser übermittelt die Antragsdaten an die auszahlende Stelle, die Zentrale Zulagen- stelle für Altersvermögen. Durch das Alterseinkünftegesetz wurde das Antragsverfahren ab dem Jahr 2005 weiter vereinfacht.

Mit dem so genannten »Dauerzulageantrag« kann die oder der Zulageberechtigte ihren oder seinen Anbieter bevollmächtigen, den Zulageantrag künftig für sie oder ihn zu stellen. Ist die Vollmacht erteilt worden, hat die oder der Zulageberechtigte in der Regel nichts weiter zu veranlassen, um die Zulage zu erhalten.

Wie wird selbst genutztes Wohneigentum in die steuerlich geförderte private Altersvorsorge einbezogen?

Seit 2008 gibt es zwei weitere Formen von förderfähigen Altersvor-sorgeverträgen. Es können jetzt auch Zahlungen zum Erwerb von weiteren Genossenschaftsanteilen für die Altersvorsorge sowie Tilgungsleistungen zugunsten zertifizierter Darlehensverträge für selbst genutztes Wohneigentum gefördert werden. Außerdem können seit 2008 bis zu 75 % oder 100 % des in einem Altersvorsorgevertrag angesparten geförderten Altersvorsorgevermögens für folgende wohnungswirtschaftliche Verwendungen förderunschädlich entnommen werden, ohne dass eine Pflicht zur Rückzahlung des entnommenen Betrages besteht:

  • bis zum Beginn der Auszahlungsphase unmittelbar für die Anschaffung oder Herstellung einer begünstigten Wohnung,
  • zu Beginn der Auszahlungsphase zur Entschuldung einer begünstigten Wohnung oder
  • für den Erwerb von Pflichtanteilen an einer Genossenschaft für die Selbstnutzung einer Genossenschaftswohnung.

Durch das Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz wurde diese Regelung modifiziert. Ab 2014 gilt daher:

Das in einem Altersvorsorgevertrag angesparte geförderte Altersvorsorgevermögen kann für folgende wohnungswirtschaftliche Verwendungen förderunschädlich entnommen werden, ohne dass eine Pflicht zur Rückzahlung des entnommenen Betrages besteht:

  • bis zum Beginn der Auszahlungsphase unmittelbar für die Anschaffung oder Herstellung einer begünstigten Wohnung oder zur Tilgung eines zu diesem Zweck aufgenommenen Darlehens,
  • bis zum Beginn der Auszahlungsphase unmittelbar für den Erwerb von Pflichtanteilen an einer Genossenschaft für die Selbstnutzung einer Genossenschaftswohnung zur Tilgung eines zu diesem Zweck aufgenommenen Darlehens.

Es müssen mindestens 3.000 Euro entnommen werden. Wird nicht das gesamt in einem Altersvorsorgevertrag angesparte geförderte Altersvorsorgevermögen entnommen, müssen mindestens 3.000 Euro im Vertrag verbleiben.

Neu ab 2014 ist die förderunschädliche Entnahmemöglichkeit für einen barrierereduzierenden Umbau der begünstigten Wohnung. Das dafür entnommene Altersvorsorgevermögen muss

  • mindestens 6.000 Euro betragen, wenn der Umbau innerhalb eines Zeitraum von drei Jahren nach der Anschaffung oder Herstellung der Wohnung vorgenommen wird oder
  • mindestens 20.000 Euro für spätere Umbauten.

Die Wohnung muss vom Steuerpflichtigen selbst genutzt werden. Sie muss in Deutschland liegen und mit dem Beginn der Selbstnutzung die Hauptwohnung oder den Mittelpunkt der Lebensinter-essen des Steuerpflichtigen darstellen. Der Steuerpflichtige muss nicht Alleineigentümer oder Alleinnutzer der Wohnung sein. Als begünstigte Wohnung zählt:

  • eine Wohnung in einem eigenen Haus (dies kann auch ein Mehrfamilienhaus sein),
  • eine eigene Eigentumswohnung,
  • eine Genossenschaftswohnung einer in das Genossenschafts register eingetragenen Genossenschaft oder
  • ein eigentumsähnliches oder lebenslanges Dauerwohnrecht.

Die Wohnung muss vom Steuerpflichtigen selbst genutzt werden. Sie muss

  • in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder
  • in einem Staat, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum anwendbar ist, liegen und mit dem Beginn der Selbstnutzung die Hauptwohnung oder den Mittelpunkt der Lebensinteressen des Steuerpflichtigen darstellen. Der Steuerpflichtige muss nicht Alleineigentümer oder Alleinnutzer der Wohnung sein.

Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen sowie Handwerkerleistungen

Für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, bei denen es sich um eine geringfügige Beschäftigung (sog. Mini-Jobs) handelt, ermäßigt sich die Einkommensteuer gemäß § 35a Abs. 1 EStG auf Antrag

  • um 20 % der Aufwendungen, höchstens 510 Euro.

Für andere haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse (z. B. sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse) oder für die Inanspruchnahme von haushaltsnahen Dienstleistungen (z. B. von Dienstleistungsagenturen), die keine Handwerkerleistungen sind, ermäßigt sich die Einkommensteuer gemäß § 35a Abs. 2 EStG auf Antrag insgesamt um

  • 20 % der Aufwendungen, höchstens 4.000 Euro im Jahr.

Für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, mit Ausnahme der nach dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW Förderbank geförderten Maßnahmen, ermäßigt sich die Einkommensteuer gemäß § 35a Abs. 3 EStG auf Antrag um

  • 20 % der gezahlten Aufwendungen, höchstens 1.200 Euro im Jahr.

Ein Beschäftigungsverhältnis ist haushaltsnah, wenn es eine haushaltsnahe Tätigkeit zum Gegenstand hat. Zu den haushaltsnahen Tätigkeiten gehören u. a. die Zubereitung von Mahlzeiten im Haushalt, die Reinigung der Wohnung der oder des Steuerpflichtigen, die Gartenpflege und die Pflege, Versorgung und Betreuung von Kindern, kranken, alten Menschen und pflegebedürftigen Personen. Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen gehören alle Tätigkeiten, die eine hinreichende Nähe zur Haushaltsführung aufweisen oder damit im Zusammenhang stehen. Bei den haushaltsnahen Dienstleistungen muss es sich daher um Tätigkeiten handeln, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden und für deren Erledigung eine Dienstleistungsagentur oder ein selbstständiger Dienstleister in Anspruch genommen werden, z. B. die Tätigkeit eines selbstständigen Fensterputzers, die Pflege von Angehörigen durch Inanspruchnahme eines Pflegedienstes oder Gartenpflegearbeiten (Rasen mähen, Hecke schneiden) durch einen Gartenbaubetrieb.

Zu den Handwerkerleistungen gehören alle handwerklichen Tätigkeiten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten wie z. B. Streichen und Tapezieren, Fliesen legen, Erneuerung des Bodenbelags, Austausch von Fenstern und Türen sowie Garten- und Wegebauarbeiten.

Die Steuerermäßigung kann nur in Anspruch genommen werden, wenn das Beschäftigungsverhältnis, die Dienstleistung oder die Handwerkerleistung in einem in der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum liegenden Haushalt des Steuerpflichtigen oder - bei Pflege- und Betreuungsleistungen - der gepflegten und betreuten Person ausgeübt oder erbracht wird. Weitere Voraussetzung ist, dass der Steuerpflichtige für die haushaltsnahe Dienstleistung oder die Handwerkerleistung eine Rechnung erhalten hat und die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung erfolgt ist. Eine Steuerermäßigung kommt nur für Aufwendungen in Betracht, die keine Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Sonderausgaben sind und nicht als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt worden sind.

Mindern Kinder die Steuerlast?

Elterneinkommen in Höhe des sächlichen Existenzminimums und des Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarfs ihrer Kinder wird steuerlich freigestellt. Dies wird durch Abzug von Freibeträgen oder durch Zahlung von Kindergeld erreicht. Im Laufe des Jahres wird grundsätzlich jeden Monat Kindergeld als Steuervergütung im Voraus gezahlt. Seit dem 1. Januar 2010 beträgt das Kindergeld für erste und zweite Kinder jeweils 184 Euro, für dritte Kinder 190 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 215 Euro monatlich (bis 31. Dezember 2009 waren dies für für erste und zweite Kinder jeweils 164 Euro, für dritte Kinder 170 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 195 Euro). Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer prüft das Finanzamt von Amts wegen, ob damit Einkommen in Höhe des sächlichen Existenzminimums (Kinderfreibetrag) und des Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarfs steuerfrei verbleibt. Hierfür wird – zusätzlich zum Kinderfreibetrag in Höhe von 4.368 Euro – ein Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf in Höhe von jährlich 2.640 Euro berücksichtigt.

Reicht der Anspruch auf Kindergeld nicht zur Steuerfreistellung des Existenzminimums eines Kindes aus, so werden die Freibeträge abgezogen und der Anspruch auf Kindergeld mit deren steuerlicher Wirkung verrechnet. Soweit der Anspruch auf Kindergeld dazu nicht erforderlich ist, dient er der Förderung der Familien, und zwar vornehmlich der Familien mit geringerem Einkommen und mehreren Kindern.

Für den Abzug der Freibeträge werden berücksichtigt (§ 32 Abs. 1 EStG):

  • leibliche Kinder, sofern das Verwandtschaftsverhältnis nicht durch Annahme erloschen ist,
  • angenommene Kinder und
  • Pflegekinder, die im Haushalt der oder des Steuerpflichtigen in einer familienähnlichen, auf längere Dauer angelegten Beziehung leben. Voraussetzung ist, dass die oder der Steuerpflichtige die Kinder nicht zu Erwerbszwecken in ihrem oder seinem Haushalt aufgenommen hat und das Obhut- und Pflegeverhältnis zu den leiblichen Eltern nicht mehr besteht.
  • Anspruch auf Kindergeld (§§ 62 ff EStG) besteht daneben für Kinder des Ehegatten oder Lebenspartners und Enkel, die die oder der Steuerpflichtige in ihrem oder seinem Haushalt aufgenommen hat.

Leben die Eltern nicht zusammen, erhält die- oder derjenige das Kindergeld, in dessen Obhut sich das Kind befindet. Der barunterhaltspflichtige Elternteil hat am Kindergeld Anteil, indem das Kindergeld unmittelbar den Bedarf des Kindes mindert (zivilrechtlicher Ausgleich). Die Freibeträge für Kinder erhält jeder Elternteil grundsätzlich zur Hälfte. Es wird dann jeweils der Anspruch auf das halbe Kindergeld verrechnet.

Für ein nicht unbeschränkt einkommensteuerpflichtiges Kind (Auslandskind) können die Freibeträge nur abgezogen werden, soweit sie nach den Verhältnissen des Wohnsitzstaates des Kindes notwendig und angemessen sind; d.h. es können um 25 %, 50 % oder 75 % verminderte Beträge in Betracht kommen.

Kinderfreibeträge werden als Lohnsteuerabzugsmerkmal berücksichtigt. Diese Freibeträge habennur Bedeutung für die Ermittlung der Zuschlagsteuer (Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer), bei der der Kinderfreibetrag und der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf berücksichtigt werden, weil im laufenden Jahr stets Kindergeld gezahlt wird.

Wann werden Kinder berücksichtigt?

Kinder unter 18 Jahren werden für die Freibeträge in jedem Fall berücksichtigt; für Kindergeld, wenn sie ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland oder in einem EU-/EWR-Mitgliedstaat haben.

Über 18, aber noch nicht 21 Jahre alte Kinder werden berücksichtigt, wenn sie nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen und bei einer Agentur für Arbeit im Inland als Arbeitsuchende gemeldet sind.

Über 18, aber noch nicht 25 Jahre alte Kinder werden berücksichtigt, wenn sie

  • sich in der Berufsausbildung befinden (darunter ist auch die Schulausbildung zu verstehen),
  • sich in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten befinden, die zwischen zwei Ausbildungsabschnitten oder zwischen einem Ausbildungsabschnitt und der Ableistung des gesetzlichen Wehr-oder Zivildienstes, einer vom Wehr- oder Zivildienst befreienden Tätigkeit als Entwicklungshelfer oder als Dienstleistender im Ausland nach § 14b Zivildienstgesetz
    oder der Ableistung eines freiwilligen Dienstes im Sinne des 4. Anstrich liegt,
  • eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen können,
  • ein freiwilliges soziales Jahr oder ein freiwilliges ökologisches Jahr im Sinne des Jugendfreiwilligendienstegesetzes, einen Freiwilligendienst im Sinne des Beschlusses Nr. 1719/2006/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. November 2006 zur Einführung des Programms „Jugend in Aktion“ (ABl. EU Nr. L 327 S. 30) oder einen anderen Dienst im Ausland im Sinne von § 5 Bundesfreiwilligendienstgesetz oder einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ im Sinne der Richtlinie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom 1. August 2007 (BAnz. 2008 S. 1297) oder einen Freiwilligendienst aller Generationen im Sinne von § 2 Abs. 1a des Siebten Buches Sozialgesetzbuch oder einen Internationalen Jugendfreiwilligendienst im Sinne der Richtlinie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 20. Dezember 2010 (GMBl. S. 1778) oder einen Bundesfreiwilligen-dienst im Sinne des Bundesfreiwilligendienstgesetzes leisten.

Über das 21. oder 25. Lebensjahr hinaus werden Kinder – begrenzt auf einen der Dauer des inländischen Grundwehrdienstes oder Zivildienstes entsprechenden Zeitraum – berücksichtigt,

  • die den gesetzlichen Grundwehrdienst oder Zivildienst geleistet haben oder
  • die sich freiwillig für eine Dauer von nicht mehr als drei Jahren zum Wehrdienst, der anstelle des gesetzlichen Grundwehrdienstes abgeleistet wird, verpflichtet haben
  • oder die eine vom gesetzlichen Grundwehrdienst oder Zivildienst befreiende Tätigkeit als Entwicklungshelfer ausgeübt haben.

Zudem setzt die Berücksichtigung über 18 Jahre alter Kinder voraus, dass sie nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums keiner schädlichen Erwerbstätigkeit nachgehen.

Kinder, die wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten, werden auch über das 25. Lebensjahr hinaus berücksichtigt, wenn die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist (Übergangsregelung: Kinder, die vor dem 1. Januar 2007 in der Zeit ab ihrem 25. Geburtstag und vor ihrem 27. Geburtstag eine Behinderung erlitten haben, deretwegen sie außerstande sind, sich selbst zu unterhalten, werden bei Vorliegen der materiell-rechtlichen Voraussetzungen werden weiterhin berücksichtigt)

Welche außergewöhnlichen Belastungen können geltend gemacht werden (§§ 33-33b EStG)?

Aufwendungen, die einer oder einem Steuerpflichtigen im privaten Bereich zwangsläufig und in größerem Umfang als der überwiegenden Mehrzahl vergleichbarer Steuerpflichtiger erwachsen (z.B. Krankheitskosten), können als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden, soweit sie die – nach Familienstand und Gesamtbetrag der Einkünfte gestaffelte – zumutbare Belastung übersteigen (§ 33 EStG).

Sie können als vom Arbeitslohn abzuziehender Freibetrag (Lohnsteuerabzugsmerkmal) berücksichtigt werden, wenn sie, ggf. zusammen mit anderen zu berücksichtigenden Aufwendungen, den Betrag von 600 Euro übersteigen. Für die Anträge hält Ihr Finanzamt amtliche Vordrucke bereit.

Bestimmte außergewöhnliche Belastungen können in begrenztem Umfang bis zu festen Höchstbeträgen abgezogen werden, z. B. Aufwendungen

  • für den Unterhalt und eine etwaige Berufsausbildung von Personen, die dem Steuerpflichtigen oder seinem Ehegatten gegenüber gesetzlich unterhaltsberechtigt sind und für die niemand Anspruch auf einen Freibetrag für Kinder oder Kindergeld hat, bis zum Höchstbetrag von 8.004 Euro jährlich. Der gesetzlich unterhaltsberechtigten Person gleichgestellt ist eine Person, wenn bei ihr zum Unterhalt bestimmte inländische öffentliche Mittel mit Rücksicht auf die Unterhaltsleistungen der oder des Steuerpflichtigen gekürzt werden oder bei entsprechender Antragstellung gekürzt worden wären. Auf den Betrag von 8.004 Euro sind eigene Einkünfte und eigene Bezüge der unterhaltenen Person anzurechnen, wenn sie zusammengerechnet 624 Euro übersteigen, sowie bestimmte Zuschüsse (§ 33a Abs. 1 EStG). Unter diese Vorschrift fällt auch der Unterhalt an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten, wenn ein Abzug als Sonderausgaben im Rahmen des sog. Realsplitting nicht wirksam beantragt wird.
  • zur Abgeltung des Sonderbedarfs eines sich in der Berufsausbildung befindenden, auswärtig untergebrachten volljährigen Kindes, für das Anspruch auf einen Freibetrag nach § 32 Abs. 6 EStG oder Kindergeld besteht, in Höhe von bis zu 924 Euro jährlich.

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Quelle: Bundesministerium der Finanzen

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